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Trump-Milei-Pakt setzt die EU unter Druck. Warum Lateinamerika nicht warten wird

Die USA und Argentinien haben das umfassendste bilaterale Handelsabkommen ihrer Geschichte unterzeichnet. Für Europa ein Alarmsignal: Lateinamerika wartet nicht auf die europäische Ratifizierung.

Trump-Milei-Pakt setzt die EU unter Druck

Am 5. Februar 2026 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Argentinien das umfassendste bilaterale Handelsabkommen, das je zwischen beiden Ländern geschlossen wurde. Die New York Times sprach von einem „Durchbruch". Für die Europäische Union wird die Finalisierung des Mercosur-Abkommens dringlicher.

Präsident Javier Milei, der seit Amtsantritt eine aggressive Marktöffnungspolitik verfolgt, fand in der Trump-Administration einen ideologischen Partner. Die USA strichen Gegenzölle auf rund 1.675 argentinische Produkte, darunter Rohstoffe und Pharmazeutika. Argentinien öffnete seinen Markt für über 200 Kategorien amerikanischer Waren — Chemikalien, Maschinen, Medizintechnik sowie Fahrzeuge und Milchprodukte unter Regierungskontingenten.

Das Abkommen gewährt den USA zudem ein Kontingent von 100.000 Tonnen argentinischem Rindfleisch — in direkter Konkurrenz zum 99.000-Tonnen-Kontingent, das die EU im Mercosur-Abkommen ausgehandelt hat.

Warum das die Spielregeln ändert

Bisher verhandelten die Mercosur-Länder vorwiegend mit der EU. Jetzt haben sie eine Alternative — und eine gewichtige.

Für Argentinien bedeutet der US-Pakt:

  • Zugang zum amerikanischen Markt ohne Warten auf die europäische Ratifizierung
  • Investitionen in Vaca Muerta (eines der größten Schiefergasvorkommen der Welt)
  • Geschätzte Exportmehreinnahmen von über einer Milliarde Dollar

Für die EU ist die Botschaft klar:

  • Lateinamerika wartet nicht auf europäische Rechtsverfahren
  • China und die USA werben aktiv um dieselben Märkte
  • Jeder Monat Verzögerung hat geopolitische Kosten

Gefahr für geografische Angaben

Artikel 2.5 des US-Argentinien-Abkommens gestattet Argentinien, den US-Marktzugang für Produkte mit Bezeichnungen wie „Parmesan", „Feta", „Camembert", „Brie", „Emmentaler", „Gorgonzola" und „Gouda" nicht einzuschränken. Das Farmers' Journal bestätigte dies am 16. Februar 2026.

Das Problem: Das EU-Mercosur-Abkommen schützt genau diese Namen als geografische Angaben. Artikel 13.35(1) des Abkommens:

'Each Party shall provide, according to its laws and regulations, the legal means for interested parties to prevent: (a) the use of a geographical indication of the other Party listed in Parts 1 and 2 of Annex 13-B [...] that does not originate in the country of origin specified in Annex 13-B for that geographical indication.'

Kann Argentinien gleichzeitig europäische Herkunftsbezeichnungen schützen (gegenüber der EU) und den USA die freie Verwendung derselben Namen erlauben?

Deutsche Perspektive: Industrie unter Zugzwang

Für die deutsche Wirtschaft verschärft der Trump-Milei-Pakt den Druck. Die USA bieten Argentinien bereits das, worauf europäische Exporteure noch warten: reduzierten Marktzugang.

Die Zahlen sind eindeutig:

  • Zölle auf EU-Pkw im Mercosur: 35 % — noch in Kraft, Abbau über 15 Jahre geplant
  • Zölle auf EU-Maschinen: 14–20 % — abhängig von der Ratifizierung
  • BDI-Schätzung: 4 Milliarden Euro jährliche Einsparungen bei voller Umsetzung

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich klar positioniert: Die Verzögerungen nannte er „bedauerlich". Am 29. Januar debattierte der Bundestag in einer Aktuellen Stunde; CDU/CSU und SPD forderten gemeinsam eine schnelle vorläufige Anwendung.

Während Berlin drängt, blockiert Paris. Die Achse Berlin–Paris ist in der Mercosur-Frage tief gespalten.

Drei Mächte, ein Kontinent

AkteurAngebotInteresse
EUHandelsabkommen + Umweltstandards + GI-SchutzRohstoffe, 270 Mio. Verbraucher
USABilaterale Pakte + EnergieinvestitionenMineralien, Gegengewicht zu China
ChinaInfrastruktur + Soja-/MineralienkäufeRohstoffsicherheit, politischer Einfluss

Brasilien eröffnete Anfang Februar Gespräche mit China über ein partielles Handelsabkommen. Argentinien hat den US-Pakt. Uruguay versuchte 2022 eigenständige China-Verhandlungen.

Für die deutsche Exportwirtschaft zählt jeder Monat: US-Firmen erhalten bereits bevorzugten Zugang, während europäische Unternehmen auf die Ratifizierung warten.


Quellen: New York Times (05.02.2026), NPR (06.02.2026), Farmers' Journal (16.02.2026), Reuters, Politico.eu, Deutschlandfunk. Abkommen: Art. 13.35 (Geografische Angaben, Anhang 13-B).

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