Brasilien und die EU-Mercosur-Strategie. Warum Brasília nicht warten kann
Am 2. Februar 2026 veröffentlichte der Diário Oficial da União die offizielle Übermittlung des EU-Mercosur-Abkommens an den brasilianischen Kongress. Präsident Lula hatte das Dokument am Vortag unterzeichnet. Vizepräsident Geraldo Alckmin kündigte eine beschleunigte parlamentarische Behandlung an. Die Vorsitzenden der Câmara, Hugo Motta, und des Senats, Davi Alcolumbre, verpflichteten sich zur Priorisierung.
Brasilien trägt über 70 Prozent des Mercosur-BIP. Ohne seine Ratifizierung bleibt die vorläufige Anwendung des Abkommens unvollständig — der mit Abstand größte Markt des Blocks wäre ausgeschlossen. Die EU wird Zölle auf 95 Prozent der brasilianischen Waren innerhalb von 12 Jahren abbauen.
Drei Handelsfronten gleichzeitig
Während Lula den EU-Vertrag ins Parlament schickte, reiste Außenminister Mauro Vieira nach Peking. Anfang Februar eröffneten Mercosur und China Gespräche über ein partielles Handelsabkommen; Mercosur-Verhandlungsführer Carlos Orsi war in Beijing. Das Signal ist eindeutig: Südamerika wartet nicht auf Europa.
| Partner | Status | Bedeutung für Brasilien |
|---|---|---|
| EU | Unterzeichnet, Ratifizierung läuft | Zugang zu 450 Mio. Verbrauchern, 347 geschützte GIs |
| USA | Trump-Milei-Pakt mit Argentinien | Druck auf Mercosur-Einheit |
| China | Gespräche eröffnet | Größter Handelspartner seit 2009 |
Die deutsche Industrie profitiert
Deutschland hat in der EU-Ratsabstimmung am 9. Januar für die Unterzeichnung gestimmt (21-5, Belgien enthielt sich). Die deutsche Wirtschaftsdebatte konzentriert sich auf Maschinenbau, Chemie und Automobile. Brasilien ist der wichtigste Absatzmarkt für europäische Industriegüter in Lateinamerika. Ein Scheitern der Ratifizierung würde die Konkurrenz durch China und die USA stärken — genau in dem Moment, in dem Mercosur Alternativen sucht.
Quellen: Diário Oficial da União, Agência Brasil, G1, Reuters, ACEA
“The provisions of this Agreement aim at a modern and mutually advantageous trade agreement which creates a predictable framework to boost trade and economic activity.”
— Chapter 1 - Initial Provisions, Article 1.2
