Mercosur verhandelt mit China. Was bedeutet das für das EU-Abkommen?
Anfang Februar 2026 signalisierte Brasilien eine neue Offenheit für formelle Handelsverhandlungen zwischen Mercosur und China. Am 7. Februar berichteten das China-Global South Project und die Straits Times, dass Uruguays Präsident Yamandú Orsi bei seinem Besuch in Peking eine gemeinsame Erklärung mit Xi Jinping unterzeichnete — mit der Hoffnung auf einen baldigen Verhandlungsbeginn.
China ist seit 2009 Brasiliens größter Handelspartner, vor der EU. Nun könnte ein formales Abkommen für den gesamten Mercosur-Block entstehen.
Drei Fronten gleichzeitig
| Partner | Status | Was Mercosur bekommt |
|---|---|---|
| EU | Abkommen unterzeichnet, Ratifizierung läuft | Freihandel, GI-Schutz, 450 Mio. Verbraucher |
| USA | Bilateraler Pakt mit Argentinien (5. Feb.) | Energie, Mineralien, 100.000 t Rindfleisch |
| China | Verhandlungen eröffnet (Feb. 2026) | Infrastruktur, Technologie, Soja-Großkäufe |
Was China will
Peking interessiert sich vor allem für:
- Agrarrohstoffe — Brasilien ist weltweit größter Soja-Exporteur, China größter Importeur
- Kritische Rohstoffe — Lithium (Argentinien), Eisenerz (Brasilien/Vale)
- Infrastruktur — Belt-and-Road-Projekte in Häfen, Straßen, Schienen
Im Gegenzug bietet China: Industriegüter, 5G-Technologie (Huawei), Elektrofahrzeuge. BYD baut bereits eine Fabrik in Bahia.
Teilabkommen statt Freihandelszone
Anders als das umfassende EU-Mercosur-Abkommen zielt der Vorschlag auf ein Teilabkommen — Schwerpunkt auf nichttarifären Handelshemmnissen: Importquoten, Zollverfahren, Gesundheitsvorschriften. Nicht auf Zöllen. So wird eine direkte Überschneidung mit dem EU-Abkommen vermieden.
Komplikation: Paraguay unterhält diplomatische Beziehungen zu Taiwan, nicht zu China. Jedes Mercosur-Abkommen erfordert Konsens aller Mitglieder.
Was bedeutet das für Deutschland?
Für die deutsche Wirtschaft ist das ein Alarmsignal auf mehreren Ebenen:
- Automobilindustrie: BYD baut bereits in Brasilien. Chinesische Elektrofahrzeuge konkurrieren dort direkt mit VW, BMW und Mercedes-Benz — und zwar schon heute, ohne jedes Abkommen
- Maschinenbau: Chinesische Maschinen werden zunehmend wettbewerbsfähig und günstiger. Wenn ein Mercosur-China-Abkommen nichttarifäre Barrieren senkt, verschärft sich der Wettbewerb weiter
- Kritische Rohstoffe: Deutschland braucht Lithium aus Argentinien und Eisenerz aus Brasilien für die Energiewende. China will genau diese Ressourcen sichern
Der BDI warnt seit Monaten: Jeder Monat Verzögerung bei der EU-Ratifizierung stärkt Chinas Position. Kanzler Merz hat die Ratifizierung zur Priorität erklärt — doch solange das Europäische Parlament das Abkommen dem EuGH vorgelegt hat, bleibt der Zeitplan unsicher.
Das EU-Mercosur-Abkommen (Art. 2.1) schafft eine Freihandelszone — etwas, das China nicht anbietet. Aber wenn die Ratifizierung sich weiter verzögert, könnten chinesische Unternehmen den Vorsprung nutzen.
Quellen: China-Global South Project (07.02.2026), The Straits Times, Reuters, Handelsblatt. EU-Mercosur-Abkommen: Art. 2.1 (Freihandelszone).
“The Parties shall establish a free trade area for goods over a transitional period starting on the date of entry into force of this Agreement.”
— Chapter 2 - Trade in Goods, Article 2.1
