Der Dominoeffekt in Südamerika
- Februar: Argentiniens Abgeordnetenkammer stimmt mit 203 zu 42 — das erste Parlament weltweit, das dem EU-Mercosur-Abkommen zustimmt. Dreizehn Tage später schließen Uruguay und Argentinien die vollständige Ratifizierung ab. Einen Tag zuvor genehmigt Brasiliens Unterhaus.
Vier Länder. Vier Parlamente. Zwölf Tage. Die schnellste Ratifizierungskaskade in der Geschichte multilateraler Handelsabkommen.
Die Abstimmungen im Überblick
| Datum | Land | Kammer | Ergebnis | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| 13. Feb. | Argentinien | Abgeordnetenkammer | 203-42-4 | Peronismus gespalten: 43 Abg. der Unión por la Patria dafür |
| 25. Feb. | Brasilien | Câmara | Genehmigt | Senatorin Tereza Cristina als Berichterstatterin im Senat |
| 26. Feb. | Uruguay | Repräsentantenhaus | 91-2 | Überwältigende Mehrheit |
| 26. Feb. | Uruguay | Senat | Einstimmig | Ratifizierung abgeschlossen |
| 26. Feb. | Argentinien | Senat | 69-3 (3 Enth.) | Ratifizierung abgeschlossen |
| ~März | Paraguay | Kongress | In Bearbeitung | Ratifizierung in den nächsten Tagen erwartet |
| ~März | Brasilien | Senat | Ausstehend | Tereza Cristina bereitet Bericht vor |
Für die deutsche Wirtschaft: der Startschuss
Die Ratifizierungskaskade hat direkte Konsequenzen für deutsche Exporteure. Die vorläufige Anwendung des Abkommens, die von der Leyen am 27. Februar ankündigte, wurde durch diese schnelle parlamentarische Zustimmung erst möglich.
Die Zölle auf Pkw-Exporte nach Mercosur (derzeit 35 %) beginnen zu sinken. Maschinenbau, Chemie und Pharma profitieren ebenfalls. Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul hatten genau dieses Szenario vorangetrieben.
Uruguay — der breiteste Konsens
91 Stimmen dafür, 2 dagegen. Senat — einstimmig. Für das 3,5-Millionen-Land bedeutet das Abkommen Zugang zu 450 Millionen Verbrauchern.
Argentinien — der Peronismus bricht
Mileis La Libertad Avanza, Macris PRO, die UCR — und 43 peronistische Abgeordnete. Im Senat: 69 dafür, 3 dagegen. Historischer Bruch mit dem protektionistischen Kurs.
Brasilien — Câmara stimmt zu, Senat ausstehend
Die Câmara genehmigte am 25. Februar. Die parlamentarische Agrarfront (FPA) äußerte Bedenken zu Schutzmechanismen. Vizepräsident Alckmin sicherte Schutzverordnungen vor der Senatsabstimmung zu.
Warum so schnell?
Zwei Faktoren: Der US-Argentinien-Pakt vom 5.-6. Februar erhöhte den Druck auf die Mercosur-Einheit. Und das politische Fenster — Mileis Mehrheit in Argentinien, Lulas Koalition in Brasilien — schließt sich möglicherweise.
Ergebnis: Vier Parlamente in zwölf Tagen gaben der Kommission die Munition für die vorläufige Anwendung.
Quellen: El País (26.02.2026), MercoPress (26.02.2026), Reuters (25.02.2026), Agência Brasil (25.02.2026), Infobae (26.02.2026). Abkommen: Art. 23.2.
“This Agreement shall enter into force on the first day of the month following the date on which they have notified each other in writing of the completion of their respective internal procedures required for this purpose.”
— Chapter 23 - General and Final Provisions, Article 23.2
